Reisen während der Wirtschaftkrise: Reisewelt im Wandel – Kunden ändern Buchungsgewohnheiten
Montag, 8. März 2010
TUI und Urlaubsreisen: Die wirtschaftliche Krise verändert Reisegewohnheiten. Günstige Angebote, Luxusreisen und Fernreisen bevorzugt. Hannover (dpa) - Die Reisewelt verändert sich. Pauschalurlaub hat sich in der Wirtschaftskrise bei den Gästen nach Einschätzung des größten deutschen Veranstalters TUI zwar bewährt. Allerdings wandele die Rundum-Sorglos-Reise zunehmend ihr Gesicht, berichtet TUI Deutschland-Chef Volker Böttcher in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover vor Beginn der weltgrößten Tourismusmesse ITB an diesem Mittwoch.
Geschätzt werde von den Gästen vor allem die Kalkulierbarkeit der Kosten und die Sicherheit vor bösen Überraschungen. Die Wünsche an Abläufe, Ziele und Unterkünfte hätten sich aber sehr verändert. «Die Deutschen sind reiseerfahrener geworden - das ist deutlich spürbar», sagt Böttcher. Dabei habe sich in der Krise auch eine gewisse Polarisierung ergeben. Zuwächse gebe es vor allem bei preiswerten Angeboten einerseits und zum anderen auch im hochpreisigen Bereich. «Die Mitte wird ein bißchen schwächer.»
Böttcher ist überzeugt davon, dass sich auch in Zukunft mit Veranstalterreisen noch gutes Geld verdienen lässt. Nach teils deutlichen Rückgängen bei den Gästezahlen durch die Wirtschaftskrise im vorigen Jahr zögen die Buchungen für den Sommer jetzt wieder an. Im Februar habe das Buchungsminus noch sieben Prozent betragen. «Ein konkreter Ausblick auf das Geschäft in diesem Sommer ist derzeit aber noch nicht möglich», sagt Böttcher, da die Buchungsentscheidung zunehmend kurzfristig falle.
Gefragt seien bei TUI in diesem Sommer verstärkt hochwertige Hotels und Fernreisen erlebten einen Boom mit zweistelligen Zuwächsen. «Der Fernreise gehört die Zukunft.» Neben einem höheren Anteil an Alles-inklusive-Reisen erhöht TUI auch das Angebot an Vier- bis Fünf-Sterne-Hotels auf bis zu 85 Prozent des Angebots.
Nachdem bisher der Bade-Familienurlaub am Mittelmeer «das Brot- und Buttergeschäft» der Reiseveranstalter ist, nehme inzwischen die Gruppe der Paare mittleren Alters und der sogenannten «Best-Ager» an Bedeutung als Kunden immer mehr zu. «Die Kinder sind erwachsen und viele Paare haben wieder mehr Zeit für sich und gemeinsame Reisen», sagt Böttcher. «Sie sind fit und reiselustig, wollen ferne, auch exotische Länder erleben, in kleinen Gruppen und abseits der üblichen touristischen Pfade unterwegs sein.»
Diese Gäste werden nach Ansicht von Marktforschern in wenigen Jahren die wichtigste Klientel der Veranstalter sein. «Es ist weit mehr als eine Nische», sagt Böttcher. Sie hätten bestimmte Ansprüche auch an das Ferienhotel: keine Bettenburgen, sondern kleine feine Häuser, in der ersten Reihe am Strand und mit gepflegter Gastronomie. TUI hat speziell für diese Gruppe die Hotelmarke Sensimar entwickelt und setzt auf der Fernstrecke zunehmend auf Rundreisen mit Durchführungsgarantie.
Steigendes Interesse gebe es auch für «Entdeckertouren», die Urlaubern Begegnungen mit Einheimischen und einen «Blick hinter die Kulissen» böten. Auch der Branchenzweite Thomas Cook hat ein spezielles Hotel-Programm aufgelegt und andere Veranstalter bieten ebenfalls Einblicke in fremde Kulturen. Der Wettbewerb um eine relativ kaufkräftige Gästegruppe hat begonnen.
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Gespräch: Eva Tasche, dpa
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