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Geschäftsreisen und Hotels in Deutschland: Umstrittene Hotel-Steuer sorgt für Streit – Dehoga fordert Mehrwertsteuersenkung

Dienstag, 24. November 2009

Mehrwertsteuer_Hotels_DeutschlandSenkung der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen in Deutschland: Streit zwischen Bund und Ländern lässt neues Mehrwertsteuergesetz für Hotels wanken. Berlin (dpa) – Die geplante Mehrwertsteuersenkung für Hotel-Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent steht auf der Kippe und sorgt für Streit zwischen Bund und Ländern. Schleswig-Holsteins FDP-Chef Jürgen Koppelin deutete an, dass die Kieler CDU/FDP-Koalition der Regelung, die Teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes ist, im Bundesrat nicht zustimmen kann.

«Wir haben eine Sondersituation, weil unser Haushalt so desolat ist», sagte Koppelin NDR Info. Er sei für die Entlastung, aber der Bund müsse sich stärker an den Kosten beteiligen. Zudem sei die Regelung bisher völlig unklar, wie er sagte. «Trifft das nur auf Hotels zu oder auch auf Campingplätze? Schaffen wir vielleicht mit diesem Gesetz, mit der Entlastung, auf der anderen Seite eine unglaubliche Bürokratie?» Die Union kritisierte Koppelin scharf.

Ohne die Zustimmung Schleswig-Holsteins hätte Schwarz-Gelb im Bundesrat keine Mehrheit für das Vorhaben, das eine Milliarde Euro pro Jahr kosten wird und den Tourismus ankurbeln soll. Allerdings wollen viele Hotels ihre Preise auch bei Einführung der 7-Prozent-Steuer nicht senken. Koppelin forderte, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Ländern bei der Finanzierung entgegen
kommen muss. «Mein Eindruck ist, er will das Gesetz gar nicht und freut sich im Stillen, wenn er Schleswig- Holstein sagen kann: Nein, ich bewege mich überhaupt nicht», sagte Koppelin über Schäuble.

Dieser wies die Vorwürfe zurück. «So kann man nicht ernsthaft reagieren», sagte Schäuble der «Bild am Sonntag» mit Blick darauf, dass auch die schwarz-gelbe Regierung in Kiel die geplante Entlastung zuvor gebilligt habe. Auch die CSU attackierte Koppelin. «Gerade die FDP hat ja lauthals die Senkung der Mehrwertsteuer gefordert», sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.

Die neue Hotel-Steuer soll zum 1. Januar 2010 in Kraft treten. Aber es ist noch unklar, ob Pauschalpakete, etwa beim Wellness-Urlaub darunter fallen. Oder ob auch Übernachtungen auf Campingplätzen nur noch mit 7 Prozent besteuert werden sollen. Viele Hoteliers sind zudem verunsichert, weil Frühstücke nicht unter den niedrigeren Satz fallen sollen – demnach müssten künftig zwei Abrechnungen gemacht
werden, eine für die mit 7 Prozent besteuerte Übernachtung und eine für das mit einer 19-prozentigen Mehrwertsteuer belegte Frühstück.

Dies sei notwendig, damit Bistros und Gaststätten in der Nachbarschaft von Hotels keinen Nachteil erleiden, berichtete der «Spiegel» unter Berufung auf die unionsgeführten Bundesländer und Hartmut Koschyk (CSU), den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesfinanzministerium. Unterdessen wächst auch bei Unions- Ministerpräsidenten der Unmut. «Es ist den Vertretern des Freistaates Bayern gelungen, ihre regional begründeten Wünsche durchzusetzen», kritisierte Sachsen-Anhalts Regierungschef Wolfgang Böhmer (CDU).

Die Steuersenkung für die Hotellerie war besonders auf Druck der CSU und der Bayern-FDP beschlossen worden. In Bayern werden rund 17 Prozent des bundesweiten Tourismus-Umsatzes von 140 Milliarden Euro (2007) gemacht, 27 Prozent der Beherbergungsbetriebe sind dort ansässig. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) warnte vor einem Abrücken von der Hotel-Steuer. Die «WirtschaftsWoche»
berichtete – ohne Angabe von Quellen – Schäuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzten darauf, dass das umstrittene Projekt im Bundesrat scheitert. Merkel stehe zu dem Gesetzentwurf, hatte aber am Freitag Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans betont

Dehoga-Chef: Steuersenkung für Hotels muss kommen
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wehrt sich in der Debatte über niedrigere Mehrwertsteuersätze für Übernachtungen gegen den Vorwurf der Klientelpolitik. «Das ist keine
Subvention für unsere Branche», sagte Dehoga-Präsident Ernst Fischer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

In 21 EU-Ländern gebe es für die Hotellerie niedrigere Mehrwertsteuersätze, deswegen gehe es um eine Stärkung im Wettbewerb mit Nachbarländern wie Österreich. Fischer betonte, die geplante Mehrwertsteuersenkung auf 7 Prozent müsse trotz aller Kritik kommen – und könne erst der Anfang sein. «Wir haben das Spiel 1:0 gewonnen, aber wir müssen weiterkämpfen. Besonders die Gastronomen leiden
enorm», sagte der Dehoga-Chef zu seiner Forderung, auch für die Gastronomie den reduzierten Mehrwertsteuersatz einzuführen.

Die schwarz-gelbe Koalition will für Übernachtungen in Hotels und Gasthöfen den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 Prozent einführen – vor allem auf Druck der CSU. In Bayern werden 17 Prozent
des bundesweiten Umsatzes von 140 Milliarden Euro gemacht, 27 Prozent der Beherbergungsbetriebe sind im Freistaat ansässig.

Fischer wies den Vorwurf zurück, die Steuersenkung für die Hotellerie löse keinerlei Wachstumsimpulse aus. Er denke schon, dass bestimmte Betriebe ihre Kosten für Übernachtungen senken werden. «Wenn das beschlossen wird, werde ich für mein Hotel die Preise um 8 Prozent reduzieren.»

Zuletzt war vor allem im Oppositionslager immer mehr Kritik an der rund eine Milliarde Euro teuren Steuersenkung laut geworden. Aber auch in Koalitionskreisen wachsen die Bedenken. «Ich habe auch gehört, dass der Plan wieder wackelt», sagte Fischer, der selbst FDP- Mitglied ist und einen Gastronomie- und Hotelbetrieb in Tübingen leitet. Den von der SPD erhobenen Vorwurf der Klientelpolitik nannte er «albern». 2,8 Millionen Menschen seien im Tourismus beschäftigt, und vielen in der Branche gehe es schlecht.

Der von Union und FDP beschlossene Kompromiss, der die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat erfordert, ist noch vage und führt in der Branche zu vielen Nachfragen: So ist unklar, wie beispielsweise
Buchungen mit Halb- oder Vollpension abgerechnet werden sollen oder Übernachtungs-Pauschalpakete. Oder ob das Frühstück auch unter den niedrigeren Mehrwertsteuersatz fällt. «Das muss jetzt erst von den
zuständigen Beamten ausgearbeitet werden», sagte Fischer.

In Koalitionskreisen wird nicht ausgeschlossen, dass die Regelung wegen schwieriger Abgrenzungsfragen wieder aus dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz gekippt werden könnte.

Gespräch: Georg Ismar, dpa

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Ein Kommentar zu “Geschäftsreisen und Hotels in Deutschland: Umstrittene Hotel-Steuer sorgt für Streit – Dehoga fordert Mehrwertsteuersenkung”

  1. Tweets die Geschäftsreisen und Hotels in Deutschland: Umstrittene Hotel-Steuer sorgt für Streit - Dehoga fordert Mehrwertsteuersenkung | Image Tours - News Geschäftsreisen erwähnt -- Topsy.com schrieb:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Helga Schiffer, Politik-News erwähnt. Politik-News sagte: Geschäftsreisen und Hotels in Deutschland: Umstrittene Hotel-Steuer sorgt für … http://bit.ly/5jsZQV [...]

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