Schlechtes Testergebnis für Billigflieger: Stiftung Warentest überprüft Lowcost und Charterfluggesellschaften
Donnerstag, 26. Februar 2009
Günstige Flüge buchen: Stiftung Warentest überprüft Billigflieger – schlechter Service zu niedrigen Preisen. Stiftung Warentest überprüft 10 Fluggesellschaften – das Ergebnis des Tests: Versteckte Kosten, mangelnder Flugkomfort und mühsames Stornieren bei den Billigfliegern. Wer billig fliegen will, der darf keine hohen Ansprüche stellen. Die Stiftung Warentest hat zehn Fluggesellschaften mit Billigangeboten getestet und festgestellt: Günstiges Fliegen ist nach wie vor möglich, einige Anbieter tricksen jedoch immer noch bei der Preisangabe.
Die seit November gültige EU-Verordnung, die strikte Preistransparenz von den Airlines fordert, wird oft missachtet. Zusatzangebote, wie bevorzugtes Einsteigen oder Versicherungen waren weiterhin voreingestellt. So lockt ein günstiger Preis, der nach dem Buchen oft in die Höhe schnellt. Ryanair, Easyjet, Germanwings und Condor erhielten im Prüfpunkt Preistransparenz ein „Mangelhaft“.
Wer seinen Flug nicht antreten kann, hat kaum Möglichkeiten, sein Geld zurückzuerhalten. Durch hohe Gebühren ist Umbuchen meist kaum lohnenswert, Informationen zum Stornieren von Flügen sucht man auf vielen Webseiten vergeblich. Dabei sind die Airlines verpflichtet, Steuern und Gebühren eines nicht angetretenen Fluges zurückzuerstatten.
Dennoch gilt: Wer früh genug bucht und keinen besonderen Wert auf Service legt, der kommt preiswert ans Ziel, dies meist auch pünktlich. Neunzig Prozent der Flüge landeten im geprüften Zeitraum von zwei Monaten planmäßig.
Der ausführliche Testbericht:
Billigpreise heben ab
London für 3,75 Euro, Rom für 16,85 Euro, Mallorca für 15,19 Euro. Die Werbung der Billigflieger klingt immer noch nach Schlaraffenland. Bis heute. Im Alltag heben die kleinen Preise aber regelmäßig ab. Beispiel Ryanair: Aus 15,19 Euro für den einfachen Flug nach Mallorca werden im Handumdrehen 280,03 Euro für den Hin- und Rückflug. Aufschläge für Abfertigung, Versicherung, Gepäck und die Zahlung per Lastschrift treiben das Billigangebot auf normale Flughöhe. Die Ersparnis stürzt ab.
Endpreise sind Pflicht
Das hatten sich Verbraucherschützer und Politiker eigentlich anders vorgestellt. Die Europäische Union verordnete den Fluggesellschaften unlängst transparente Preise. Seit November 2008 dürfen die Airlines nur noch mit Endpreisen werben – einschließlich aller Steuern und Gebühren. Die neue Regelung soll für fairen Wettbewerb sorgen und den Preisvergleich erleichtern. Vielen Airlines ist das schnuppe. Im Kampf um Kunden gehören Tricks und Zuschläge zum Geschäft.
Zehn Airlines im Test
Die Stiftung Warentest hat zehn Fluggesellschaften untersucht. Von Ryanair und Easyjet über Air Berlin bis Lufthansa, Air France und British Airways. Die Tester beobachteten die Preise über mehrere Monate. Im Fokus: Flüge von Deutschland nach Barcelona, London, Paris, Rom, Wien und Mallorca. Außerdem innerdeutsche Flüge nach Berlin. Verdeckte Tester buchten jeweils drei Flüge, buchten um und stornierten wieder.
Entweder billig oder fair
Ergebnis des Tests: Keine Airline fliegt billig, transparent und fair. Die billigsten Flüge gibt es bei Ryanair und Easyjet. Die besten Informationen dagegen bei Air Berlin, British Airways und Lufthansa. Rundum kundenfreundlich ist keine Airline. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaften stießen die Tester stets auf Klauseln, die den Fluggast benachteiligen.
Umbuchen kommt teuer
Wer seinen Flug aus persönlichen Gründen nicht antreten kann, muss das Geld für sein Billigticket meist in den Wind schreiben. Umbuchen lohnt sich kaum. Die Airlines berechnen 15 bis 55 Euro pro Strecke und Person. Plus Aufschlag, wenn der neue Flugpreis teurer ist. Wer storniert, hat nur noch Anspruch auf Steuern und Gebühren. Im Test gingen die Kunden oft leer aus. Ryanair und Easyjet reagierten einfach nicht. Trotz hartnäckiger Nachfragen. Germanwings erstattete ganze 48 Cent – drei Monate nach dem Storno.
Ryanair und Easyjet vorn
Betrachtet man nur den Ticketpreis, heben Ryanair und Easyjet am billigsten ab. Die Flugscheine sind günstig und im Allgemeinen auch gut zu bekommen. Note: sehr gut für Preisniveau und Preisverfügbarkeit. Durchschnittspreis für die Testziele: bei Ryanair 144 Euro, bei Easyjet 166 Euro für Hin- und Rückflug. Transparent sind die Preise allerdings nicht. Ryanair und Easyjet hantieren mit vielen Zuschlägen. Gepäck kostet extra. Bei Ryanair müssen die Passagiere auch die Abfertigung am Flughafen extra bezahlen.
Aufschläge programmiert
Schlimmer noch: Viele Extras waren bei der Onlinebuchung im Test schon ausgewählt. Bei Easyjet die Gepäckkosten und eine Versicherung, bei Ryanair die Gebühr für bevorzugtes Einsteigen und eine Versicherung. Wer sparen will, muss die Zusatzangebote eigens deaktivieren. Eine solche Voreinstellung ist laut EU-Verordnung nicht mehr erlaubt. Urteil für Information und Buchung bei Ryanair und Easyjet deshalb nur ausreichend. Gleiches gilt für Germanwings und Condor. Bei diesen Airlines sind wache Kunden gefragt, die alle Tricks durchschauen.
Tuifly günstig und fair
Übersichtlich und klar sind Information und Buchung vor allem bei Air Berlin, British Airways und Lufthansa. Die Flüge sind bei diesen Airlines aber deutlich teuer. Durchschnittspreis für die Testziele: 243 bis 265 Euro für Hin- und Rückflug. Nur eine Fluggesellschaft im Test vereint moderate Preise mit guter Buchung und Information – Tuifly. Durchschnittspreis für die Testziele: 214 Euro. Die Preisrecherche bestätigt: Frühes Buchen lohnt sich. Nicht nur bei Tuifly. Die Ticketpreise steigen bei allen Airlines bis zum Abflugtermin deutlich an. Vor allem in den letzten vier Wochen. Nur bei Condor gibt es reduzierte Last-Minute-Preise. Allerdings auf recht hohem Niveau.
Quelle: test.de
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