Flüge von Frankfurt-Hahn: “Hahntaler” wird nicht eingeführt – Ryanair soll bleiben
Montag, 12. Januar 2009
Flüge und Geschäftsreisen vom Flughafen Frankfurt-Hahn: Terminalgebühr “Hahntaler” soll nicht eingeführt werden – Billigflieger Ryanair kündigte Streichung von Flügen an.
Die SPD-Landesregierung möchte jetzt für den Flughafen Frankfurt-Hahn doch keine zusätzliche Gebühr einführen, nachdem die Fluggesellschaft Ryanair drohte, dort Maschinen abzuziehen und Flugverbindungen zu streichen. “Deshalb haben wir die Reißleine gezogen”, erklärte der Wirtschaftsminister Hendrik Hering am Montag in Mainz.
Zusätzlich möchte das Land Rheinland-Pfalz seinen Anteil an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH – möglicherweise in beträchlichem Masse- aufstocken. Darüber würden mit der Frankfurter Fraport AG zur Zeit geführt, die 65 Prozent der anteile hält.
“Der Flughafen hat eine enorme Perspektive”, sagte der Minister. Deshalb sehe die Landesregierung nicht kurzfristig auf die roten Zahlen, die der Flughafen derzeit noch schreibe, sondern auf dessen Potenzial. Statt die rund 10.000 an dem Flughafen hängenden Arbeitsplätze durch einen Abzug von Ryanair zu gefährden, sollen künftig 150 brachliegende Hektar rund um den Hahn als Gewerbegebiet erschlossen werden. “Wir sprechen über die Schaffung von weiteren tausenden Arbeitsplätzen”, sagte Hering.
Derzeit hält das Land 17,5 Prozent der Anteile, genau so viele wie das das Land Hessen, einer der Großaktionäre bei der Fraport AG. Der Südwestrundfunk (SWR) spekulierte am Montag darüber, dass die Fraport AG ihr Engagement am Hahn ganz beenden wolle. Dies dementierte der Frankfurter Flughafenbetreiber allerdings unverzüglich: “Wir führen ergebnisoffene Gespräche über die Zukunft von Hahn und werden alle Optionen diskutieren”, sagte Fraport-Sprecher Dieter Weirich. Noch seien keine Entscheidungen getroffen.
Nach dem Ende des mehrspurigen Ausbaus der Bundesstraße B 50 von der Autobahn A 61 zum Airport, der Fertigstellung des Hochmosel- Übergangs und der Reaktivierung der Hunsrückbahn werde der Hahn “spätestens im Jahr 2016 schwarze Zahlen schreiben”, prognostizierte Hering weiter. Denn der Flughafen im Hunsrück, eine ehemalige Liegenschaft des US-Militärs, ist nicht nur das größte Ryanair- Drehkreuz in Deutschland. “Langfristig gibt es keinen besseren Frachtflughafen”, meinte der Minister vor dem Hintergrund der zentralen Lage in Europa. Schon jetzt sei er der viertgrößte in Deutschland.
Es wäre nach den Worten Herings deshalb unverantwortlich gewesen, die ganze Entwicklung durch die geplante Passagiergebühr in Höhe von drei Euro zu gefährden und Ryanair zu vergraulen. “Die Ankündigungen von Ryanair waren ernst”, sagte Hering. Nun bleiben alle elf Maschinen der Fluggesellschaft im Hunsrück stationiert – Michael Cawley aus der Ryanair-Vorstandetage wollte sich an diesem Dienstag in Frankfurt zu den weiteren Plänen dort äußern.
Die Zukunftschancen des Flughafens werden unterschiedlich beurteilt. Während Witschaftsminister Hering die Entwicklungschancen aüsserst positiv bewertet, mutmasst der Verkehrsexperte und Professor an der Uni Trier Heiner Monheim am selben Tag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa , dass die Billigfliegerei die besten Zeiten hinter sich habe. Bis zum Jahr 2020 werde sich das Fliegen – wie vor 15 Jahren – wieder auf die großen Flughäfen konzentrieren. Standorte mit ausschließlich Billigflug-Starts und -Landungen könnten mittelfristig nicht überleben. “Billigfliegen ist auf Dauer nicht mehr haltbar.” Gründe seien die künftig wieder steigenden Energiepreise und ein Wechsel in der Klimapolitik.
Minister Hering sah dies gelassen und prognostizierte für 2009 ein Passagieraufkommen von 4,5 Millionen am Flughafen Frankfurt-Hahn. Dieses wären etwa 500 000 Fluggäste mehr als im Jahr 2008.
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