Flughafen Sicherheitskontrollen: Keine Nackt-Scanner am Flughafen
Donnerstag, 20. November 2008
Flugsicherheit und Flughafen-Kontrolle: EU-Kommission verzichtet auf Einsatz von Nackt-Scanner. Viele Geschäftsreisende und Touristen werden aufatmen: Die umstrittenen Pläne zur Zulassung sogenannter Nackt-Scanner an Flughäfen werden vorerst nicht in die Tat umgesetzt. Im Europaparlament gab es grosse Proteste gegen die Einführung dieser Sicherheitsmaßnahe, die EU-Kommission stellt zudem die Nützlichkeit einer derartigen Maßnahme zumindest zur Diskussion, gab ein Sprecher der Kommission in Brüssel bekannt. An dem umstrittenen Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck von Passagieren soll allerdings festgehalten werden. Mehrere Europaabgeordnete äusserten sich positiv über den vorläufigen Verzicht auf Ganzkörper-Scannern.
Nackt-Scanner entwürdigendend für Fluggäste
Es handele sich eine “weise Entscheidung”, sagte der Chef der sozialistischen Fraktion im Europaparlament, Martin Schulz (SPD). Die Kommission verzichte damit auf eine “entwürdigende Maßnahme”. Der deutsche Grünen-Politiker Michael Cramer erklärte, er hoffe, dass die Kommission “dem Drängen der Industrie, die die Apparate um jeden Preis verkaufen wollen, nicht nachgibt und dieser Vorschlag endgültig vom Tisch ist”. Die EU-Volksvertretung hatte die Pläne im Oktober entschieden abgelehnt.
Durch Dreidimensinale Betrachtung wird ein “Nacktbild” erzeugt
So funktionieren die umstrittenen Scanner: Fluggäste gehen in eine Kabine, wo der Scanner elektromagnetische Wellen auf der Haut reflektiert. Auf diese Weise wird ein virtuelles 3-D-Bild des “nackten” Fluggastes erzeugt. So können am Körper versteckte, auch nichtmetallische Gegenstände effektiver gefunden werden. Allerdings sind auch sehr deutliche Abbildungen der Genitalien zu sehen. Solche Scanner sind an einigen Flughäfen bereits im Test-Einsatz, zum Beispiel an Flughäfen in Los Angeles und New York und in Europa am Flughafen Amsterdam-Schiphol. Hier können die Fluggäste zur Zeit noch entscheiden zwischen den neuen Scannern oder dem bisher üblichen “Abtasten”
Zudringlichkeit und Gesundheitsrisiken verhindern
In Anfragen an die Kommission erkundigten sich mehrere Abgeordnete, wie die Brüsseler Behörde die “zudringliche Betrachtung” von Genitalien und anderen intimen Körperteilen verhindern wollten. Außerdem verlangten sie eine “wissenschaftliche und medizinische Bewertung” möglicher Gesundheitsrisiken durch die Ganzkörper-Durchleuchtungen.
Innenminister Schäuble gegen Einsatz von Nackt-Scannern
Deutschland hatte sich bereits nach den einhelligen Protesten aller politischen Lager gegen den Einsatz der Nackt-Scanner ausgesprochen. Solange die Geräte zur Kontrolle der Passagiere “diese Bilder produzieren, werden sie nicht eingesetzt, jedenfalls in Deutschland nicht”, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) Ende Oktober nach einem EU-Innenministertreffen in Luxemburg.
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