Air Berlin Chef Hunold in der «WirtschaftsWoche»: Keine LTU mehr – keine Air Berlin Premium Class
Samstag, 26. Juli 2008
Air Berlin in der Krise? Marke «LTU» fällt weg – Air Berlin vor weiteren Einsparungen. Air Berlin bereitet sich auf weitere Einsparungen vor. Dazu gehören Frequenzanpassungen, Preiserhöhungen, weitere Flugzeug-Stillegungen und das Aus für die geplante “Premium Business Class”. Auch die Tage der Marke LTU sind offenbar gezählt. In absehbarer Zeit werde es nur noch den Namen Air Berlin geben sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold der «WirtschaftsWoche».
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hält angesichts der schwierigen Branchenlage einen noch stärkeren Kapazitätsabbau als bisher angekündigt für möglich. Die 14 Flugzeuge, die bis Ende des Jahres aus dem Verkehr gezogen werden sollen, «sind unter Umständen nur der Anfang», sagte Hunold der «WirtschaftsWoche».
«Wir schauen uns das Streckenportfolio täglich an.» Den drastisch gestiegenen Treibstoffpreisen will Air Berlin auch mit Preiserhöhungen gegensteuern. Darauf müssten sich vor allem Geschäftsreisende einstellen. Diesen Winter habe Air Berlin zudem beim Veranstaltergeschäft erstmals Preissteigerungen von elf Prozent durchgesetzt werden können.
«Wenn der Ölpreis weiterhin so hoch bleibt, fliegen wir dann eben nicht vier- bis fünf Mal täglich nach Mallorca, sondern nur drei Mal mit größerem Gerät», beschrieb Hunold ein mögliches Vorgehen. «So erhalten wir die Sitzplatzkosten auf heutigem Niveau.» Die Luftverkehrs-Branche wurde in den vergangenen Monaten hart von den steigenden Treibstoffkosten getroffen. Airlines stellen weltweit ihre Kapazitäten auf den Prüfstand. Das teure Kerosin war auch ein zentraler Grund für das Scheitern der Pläne von Air Berlin zur Übernahme des Konkurrenten Condor.
Fluggesellschaft LTU: Marke LTU vor dem Aus
Die Tage für die Marke “LTU” sind demnach gezählt: “In absehbarer Zeit wird es nur noch den Namen Air Berlin geben”, sagte Hunold. Verzichten wird Air Berlin demnach auch auf die Premium Business Class, die im Frühjahr 2009 kommen sollte. “Das haben wir gestoppt”, sagte Hunold.
«Air Berlin steckt nicht in der Krise»
Spekulationen über eine Krise von Air Berlin trat das Unternehmen inzwischen auch mit juristischen Mitteln entgegen. Einer einstweiligen Verfügung zufolge darf Ryanair-Chef Michael O’Leary nicht mehr sagen, er würde kein Ticket mehr bei Air Berlin für den Winter kaufen, weil das Unternehmen finanziell angeschlagen sei. Dies hatte das Landgericht Köln entschieden. “Weil wir inzwischen eine gewisse Größe erreicht haben, versucht Herr O’Leary mit unlauteren Mitteln von sich abzulenken”, sagte dazu Air-Berlin-Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer dem “Tagesspiegel am Sonntag”.
«Air Berlin steckt definitiv nicht in der Krise», betonte auch Hunold. Erst am Freitag hatte Air Berlin die Börsenaufsicht BaFin wegen einer äußerst negativen Unternehmensbewertung durch die Dresdner-Bank- Tochter Kleinwort eingeschaltet. In einer Analyse vom 17. Juli hatte Kleinwort das Kursziel für die Aktie von Air Berlin auf 0,00 Euro herabgesetzt. Die Airline bezeichnete diesen Bericht in dem Brief an die BaFin als «hochgradig geschäftsschädigend».
Sparprogramm greift
Hunold ist zuversichtlich, dass die geplanten Maßnahmen greifen: “Mit dem Effizienzprogramm und bei der Nachfrage auf dem jetzigen Niveau sehen wir nach wie vor ein positives operatives Ergebnis am Ende des Jahres.”
Durch das Programm, das ein Verbesserungspotenzial von mehr als 150 Millionen Euro auf Zwölf-Monatsbasis beinhaltete, würden in diesem Jahr laut Hunold bereits “fast 35 Millionen Euro realisiert”. Bestimmte Strecken seien gar nicht in den Winterplan aufgenommen worden.
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