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Treibstoffkosten: Air Berlin bald insolvent?

Freitag, 18. Juli 2008

Air_Berlin.jpgAnalysten: Investmentbank sieht drohende Insolvenz für Air Berlin
Air Berlin steht laut einem Analystenkommentar vor der Pleite. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort sieht schwarz für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft.

Die Aktien von Air Berlin sind am Donnerstag nach Veröffentlichung eines Analystenkommentars von Dresdner Kleinwort kurzzeitig unter Druck geraten. Die Experten der Investmentbank haben ihr Kursziel für die Air-Berlin-Aktien auf Null (!) von 5,80 Euro gesenkt – und raten zum Verkauf der Titel. Zur Begründung wiesen sie darauf hin, dass dem Unternehmen ohne eine Änderung seiner Bilanzstruktur die Insolvenz drohe.

Der Aktienkurs zeigte sich unbeeindruckt und erholte sich am Mittag sehr schnell von einem kurzzeitigen Rutsch. Zuletzt notierten die Titel mehr als 7 % im Plus bei 3,84 Euro. Händler zeigten sich über die Kursreaktion ratlos. „Das wird noch runtergehen”, prognostizierte ein Börsianer.

“Die Überlebenschancen von Air Berlin haben sich in den vergangenen Wochen aufgrund der steigenden Ölpreise weiter reduziert”, sagt LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren. Das Unternehmen habe auf aggressives Wachstum gesetzt und sei damit ein hohes Risiko eingegangen zu scheitern.

“Air Berlin ist keinesfalls über den Berg”, sagt BNP Paribas-Analyst Geoff van Klaveren. Air Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel betont, der hohe Ölpreis mache nicht nur Air Berlin zu schaffen, sondern auch vielen Konkurrenten. “Wenn der Ölpreis weiter steigt, wird es für die gesamte Branche kritisch.”

Die Treibstoffkosten treffen Air Berlin nach Meinung der Experten aber härter. Sie könne höhere Kosten nicht so leicht an die Kunden weitergeben, ohne zu riskieren, dass die Kundschaft abwandere. Die Lufthansa etwa richtet sich traditionell an zahlungskräftigere Fluggäste, die weniger empfindlich auf Preiserhöhungen reagieren.

Die schwache Kapitalausstattung bringt den Air-Berlin-Chef zusätzlich in Zugzwang. Analysten gehen nach Reuters-Daten für das laufende Jahr von einem Nettoverlust von 34 Mio. Euro aus. Hunold selbst stellt nur ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Aussicht. Für 2009 rechnen die Experten sogar mit einem Nettoverlust von knapp 65 Mio. Euro.

Hunolds Sparprogramm geht vielen Analysten daher nicht weit genug. “Bei den Streckenkürzungen wird noch mehr kommen als die angekündigten 30 Prozent auf der Langstrecke. Über kurz oder lang werden hier drastische Maßnahmen fällig, falls der Kerosinpreis auf hohem Niveau bleibt, und Air Berlin wird sich von einem Großteil seiner Langstrecke verabschieden”, sagt Cheuvreux-Analyst Sebastian Kauffmann. Das Unternehmen müsse radikal schrumpfen, um zu überleben, sagt van Klaveren. “Sie müssen abspecken.”

Martina Noß von der NordLB schließt einen Verkauf dagegen nicht aus. Denkbar sei auch ein “starker Partner”, der sich beteiligen könnte. Größter Aktionär ist mit 19 % der US-Milliardär Leonard Blawatnik. Die Deutsche Bank, die über Fonds lange über 15 % hielt, hat ihren Anteil sukzessive auf unter 3 % reduziert.

Vorerst bleibt Air Berlin nur die Hoffnung auf sinkende Kerosinpreise. Sollte der Ölpreis auf ein Niveau von etwa 80 USD je Fass sinken, was niemand glaubt, habe das Unternehmen gute Chancen, sagt Hellgren. Es sei zu früh, ein Urteil über die Zukunft der Airline zu fällen, sagt Commerzbank-Analyst Frank Skodzik: “Man sollte sie noch nicht abschreiben.”

Zumindest einer dürfte angesichts der aktuellen Kursturbulenzen Schmunzeln: Ryanair-Chef Michael OLeary, der sowieso erwartet, dass bald einige Konkurrenten Bankrott gehen (und seine Fluggesellschaft weiter wächst). Im Interview mit der Zeit (10.07.2007) sagte er: „Ich persönlich würde kein Ticket bei Air Berlin für den Winter kaufen. Ich weiß nicht, ob die pleite gehen, aber sie werden eine Menge Geld verlieren und in eine Finanzkrise schlittern, denn die Firma hat keine großen Bargeld-Reserven.“

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